Alkohol, Nikotin und Medikamente in der Stillzeit

Alkohol meiden auch in Lebensmittel
In den generellen Empfehlungen wird von Alkohol auch nur in geringem Maße abgeraten, weil in Deutschland 1,5 % der Neugeborenen mit einer Fetalen Alkoholembryopathie auf die Welt kommen, wovon 80% ihr Leben lang auf Betreuung angewiesen sind. Diese Kinder sind kreativ benachteiligt bis zur geistigen Behinderung.
Gelegentlicher geringer Alkoholkonsum (1-2-mal wöchentlich ein Glas Wein) stellt kein Stillhindernis da. Alkohol wird relativ schnell in die Muttermilch aufgenommen. Alkoholkonzentrationen im Blut der Mutter und in der Muttermilch sind annähernd gleich. Der voll gestillte Säugling enthält 10% der gewichtsbezogenen Alkoholmenge seiner Mutter. Bei gelegentlichem Alkoholkonsum ist eine Stillpause von zwei Stunden einzulegen. Bei zwei Drinks täglich sind bereits psychomotorische Entwicklungsstörungen möglich. Gestillte Kinder trinken weniger Milch, wenn sie Alkohol enthält. Geruch und Geschmack der Milch ändert sich. Größere Mengen hemmen das Oxytocin, ein für den Milchspendereflex notwendiges Hormon und die sauginduzierte Prolaktin-Ausschüttung, ein Hormon das für die Milchbildung verantwortlich ist.

Eltern als Ernährungsvorbild
Achtung, auch in Lebensmittel,  in Kinder-Süssigkeiten, wie Milka Tender ist Alkohol enthalten. Hinter der Bezeichnung Rosenwasser, verbirgt sich ebenso Alkohol. Ist Alkohol nur ein technischer Hilfsstoff, braucht er nicht gekennzeichnet werden. Ist Alkohol als Zutat angegeben, darf er beinahe unbeschränkt beigemengt werden. Bei Croissants, Biskuitkuchen und ähnlichen Produkten wurde ein Alkoholgehalt zwischen sechs und acht Gramm pro Kilo gemessen.

Ein Glas Sekt zur Geburt
Alkohol kann zu Beginn der Stillzeit das Hormon Prolaktin erhöhen. Dieses Hormon ist für die Milchbildung verantwortlich. Dies gilt jedoch nur für die erste Stillzeit. Nach einigen Wochen ist Stillen nicht mehr prolaktinabhängig. Zu beachten ist, dass Alkohol das Hormon Oxytocin abfallen lässt. Dieses Hormon ist für den Milchspendereflex verantwortlich.
Studie: Julie A Menella.

Welche Menge darf nun getrunken werden?
Generell ist von jeglichem Alkoholkonsum abzuraten.
Kein Effekt auf den Säugling ist bei einer Alkoholaufnahme von 0,5g Alkohol/kg Körpergewicht zu erwarten. Als Beispiel kann hier genannt werden.  1 Liter Bier hat 35-43 g Alkohol; 1 Liter Wein 75g – 100g Alkohol.  d.h. bei einer Frau mit 50 kg Körpergewicht darf man 25g Alkohol zu sich nehmen. Das sind ein Viertel Liter Wein oder ein ½ l Bier.

Bemerkbarer Einfluss bei 1,- 1,5 g Alkohol /kg Körpergewicht.
Starker Einfluss: 1,5 – 2,0 g/kg Körpergewicht.

KOFFEIN
Aufgrund der Unreife der Leber des Säuglings ist die Eliminationshalbwertszeit von Koffein beim Säugling stark verlängert. Die Ausscheidung von Koffein dauert bis zu 80 Stunden beim Säugling, im Vergleich zum Erwachsenen 3,5 Stunden. Koffein Einnahmen bis zu einer Menge von 300mg werden meist gut toleriert. Koffein geht sehr rasch in die Muttermilch über. Bei großer Koffein Aufnahme kann es zu Übererregbarkeit kommen. Erlaubt sind circa 2 –3 Tassen Kaffee/Tag bzw. Koffein Getränke in Maßen, Schwarztee bis 5 Tassen.
• 1 Tasse Kaffee enthält beispielsweise 60-100mg.
• Red Bull enthält 32mg pro 100 ml. Bei 250 ml Redbull-Dose sind das dann 80 mg.
• 1 Energy-Shot 160 mg / 100 ml.
• 1 Tasse Schwarztee 20-50 mg.
• 1 Cola (3 dl) 40 mg.
• 1 koffeinhaltige Schmerztablette 30-100mg.

NIKOTIN
Rauchen beeinflusst die Herzvariabilität des Kindes. Studien zeigen einen erhöhten Blutdruck und ein erhöhtes Risiko für Adipositas. „Rauchen macht dicke Kinder“, lautet der Slogan. Generell gilt so wenig wie möglich, maximal 10 Zigaretten, zu rauchen. Jedoch sollte nie beim Kind und nicht in der Wohnung geraucht werden. Rauchen kann das Risiko für Bronchitis und SIDS (plötzlicher Kindestod) erhöhen. Nach dem Stillen Rauchen. Nikotin und Nikotinmetabolite werden in der Muttermilch angereichert. Sie sind demnach höher als im Plasma der Mutter. Derzeit wird rauchenden Müttern empfohlen ihre Kinder zu stillen. Kinder von rauchenden Eltern sind immer betroffen, gestillt und nichtgestillt. Nikotin hat meistens eine Reduktion der Milchmenge zur Folge, da Nikotin die Prolaktin- und Oxytocinbildung hemmt. Weiters ist der Fettgehalt der Muttermilch niedriger. Kinder sollen nicht im Elternbett rauchender Eltern schlafen.

SUCHTMITTEL
Eine Substitution ist erlaubt. Außer extreme Dosen, z.B Methadon bis 120mg/Tag. Bei regelmäßigem Drogenkonsum muss Abgestillt werden!

MEDIKAMENTE Ammenmärchen. Stillende Mütter dürfen keine Medikamente einnehmen.
Jede Erkrankung, die eine erwachsene Frau betreffen kann, ist auch in der Stillzeit möglich. Daher müssen die Risiken und Vorteile des Stillens und der Medikamente sorgfältig überlegt werden. Unnötiges Abstillen ist ebenso zu vermeiden, wie eine Gefährdung für das Baby.

Das Symptom Fieber, ist per se unproblematisch. Die spezifischen Antikörper gegen die aktuelle Erkrankung werden über die Muttermilch weitergegeben und bieten somit einen Schutz für das Neugeborene. Bei viralen Erkrankungen gibt es keine spezifische Therapie. Bei bakteriellen Erkrankungen ist eine stillverträgliche Antibiotikatherapie möglich. Eine echte Kontraindikation zum Stillen ist AIDS. Operationen sind so wenig wie möglich, soviel wie nötig durchzuführen. Stillen ist nach einer Operation möglich, sobald die Mutter wieder wach ist und ihr Kind halten kann. Zahnarztbesuche inklusiver „Spritze“ sind möglich. Auch Röntgen sind unproblematisch. Kontrastmittel dürfen keine verab
reicht werden, da sie Jodhaltig sind. Hier ist eine Stillpause von 24-48h Pause notwendig. MRI: unproblematisch CT: unproblematisch. Isotopen: Nein, große Strahlenbelastung!!!

Die meisten Substanzen, die die Mutter aufnimmt, erscheinen in der Milch. Welche Konzentration sie erreichen und welche Auswirkungen sie auf das Kind haben, ist von zahrleichen Faktoren abhängig. Fast immer werden die Auswirkungen für den Säugling jedoch heftig überschätzt!

Wirkung des Medikamentes kann die Milchmenge beeinflussen.  Die Zusammensetzung des Medikaments kann den Geschmack der Muttermilch beeinflussen und einen Stillstreik beim Kind zur Folge haben.
Medikamente wie Antibiotika sind fast alle erlaubt. Bei Schmerzmedikamenten ist Paracetamol die erste Wahl. Vor allem Einzeldosen sind fast immer erlaubt. Dauertherapien sind anzupassen. Da die Niere des Kindes Medikamente  nicht so schnell wie Erwachsene abbauen kann, kann es unter Umständen zu einer unerwünschen Anreicherung kommen.

Hormontherapien sind zum Erreichen normaler Spiegel dringend erforderlich, wie z.B. Insulin, Schilddrüse. Impfungen erlaubt. Cortison: bis 80mg Prednisoloäquivalent/Tag bzw. Einmalige Gabe problemlos!

Grundsätzlich gilt, so wenige Medikamente wie möglich einnehmen, hier vor allem bewährte Medikamente bevorzugen, Stillen vor Medikamenten-Einnahme. Dauertherapien anpassen.

Medikamente, die streng kontraindiziert sind (z.B. Isotopen, Zytostatika). Medikamente mit besonderer Vorsicht, insbes. Dauertherapien (z.B Epilepsie, psych. Erkrankungen…)Information des Embryotoxikologischen Institutes in Berlin Schäfer/Spielmann, Arzneiverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit 7. Auflage, Elsevier http://emryotox.de

Literatur: Dr. Beate Pietschnig – Vortrag Babytag, Oktober 2011; Schaefer, Christof u. Spielmann, Horst: Arzneimittelverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit. 8. Auflage München

Anhang: Interessanter Artikel aus dem Standard zum Thema. http://derstandard.at/1322531752323/Embryonaltoxikologie-Medikamente-in-der-Schwangerschaft?utm_medium=twitter&utm_source=twitterfeed

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