Löffelbreikost oder Baby-led Weaning?

Nirgendwo wird soviel Wirbel um die Beikost gemacht.

Die österreichischen Empfehlungen, beginnen je nach individueller Entwicklung des Kindes mit wenigen Mengen an fein pürierter Beikost,  etwa ab dem 6. Lebensmonat, jedoch nicht vor Beginn des 5. Lebensmonats (17. Lebenswoche) und nicht nach Ende des 6. Monats (26. Lebenswoche). Auch wenn ein Baby Beikost bekommt, ist es gut, es weiter zu stillen. Ob ein Kind „reif“ für Beikost ist, erkennt man unter anderem, wenn die Nahrung nicht mehr ausgespuckt wird, das Baby Interesse am Essen Anderer zeigt oder alles in den Mund nimmt. Wichtig ist auch, dass das Kind genügend Kraft hat, um den Kopf ohne Hilfe halten zu können und mit geringer Hilfe aufrecht sitzen zu können. Für viele Kinder sind hier schon einige Ausschlusskriterien enthalten, um mit der 17. Lebenswoche reif für die „Breikost“ zu sein. Die kürzlich veröffentlichte Informationsgrafik zur Ernährung des Säuglings im ersten Lebensjahr sollte in Kombination mit der schriftlichen Empfehlung gelesen werden, damit nicht der Eindruck entsteht, alle Kinder müssten jetzt mit dem vollendeten 4. Lebensmonat einen Brei verabreicht bekommen. Weiters ist zu bedenken, dass in Zeiten der geplanten Sectio-Raten Kinder oft 2-3 Wochen früher zur Welt kommen,die brauchen dann auch oft noch ein paar Wochen länger.

Eine andere, auch von der WHO empfohlene Möglichkeit ist die Baby gesteuerte Beikosteinführung oder Abstillmethode, genannt „Baby-led Weaning“. Bei dieser Methode werden dem Kind ab dem 6. Lebensmonat eine Vielzahl von Fingerfood (Karottenstücke, Brot, Reist, etc.) angeboten, aus denen es selbst auswählen darf, anstatt konventioneller Löffel-Fütterung. An den beispielsweise weichen Brotstücken können Kinder herumkauen. Studien haben auch gezeigt, dass diese Methode die Hand-Mund Koordination des Babys fördert.

(Die WHO empfiehlt weiterhin 6 Monate ausschließlich zu stillen, ab dem vollendeten 6. Lebensmonat mit der Beikost zu beginnen, im ersten Lebensjahr und über das erste Lebensjahr hinaus zu stillen, solange Mutter und Kind es möchten.)

Pro und Contra – Konventioneller Löffelbrei versus Fingerfood?

Eine kürzlich veröffentlichte Studie untersuchte den Einfluss der richtigen Beikost/Abstillmethode auf die Ernährungsgewohnheiten in der frühen Kindheit. Die Ergebnisse zeigten, dass das Ernährungsverhalten dazu beitragen kann, dass Kinder später nicht unter Übergewicht leiden. Immerhin leiden derzeit 42 Mio. Kinder unter 5 Jahren in der EU an Übergewicht. Die Studie zeigte, dass es besser für die spätere Gesundheit der Kinder sei, einem Baby neben der Muttermilch schon frühzeitig auch feste Nahrung anzubieten. Diese Kinder entwickelten eine Vorliebe für stärkehaltige und damit eher gesunde Lebensmittel und hätten später einen deutlich geringeren Body-Mass-Index als die nur mit Brei gefütterten Babys, die eher Süßes bevorzugten.

Natürlich ist die Verabreichung von Fingerfood oft aufwendiger in der Zubereitung und dauert länger in der Verabreichung, dank der Experimentierfreudigkeit der Kinder. Ein nicht zu unterschätzender Faktor in der heutigen eh schon zu stressigen Zeit.

Jedes Kind ist anders, manche bevorzugen tunlichst fein pürierten Brei andere ausschließlich Finger-Food und manche brauchen einfach Zeit.

Hier 3 Videos die die Methoden erklären:

Baby-Led Weaning: Video:  http://youtu.be/g57gDxiZ1n8

Konventionelle Löffel-Fütterung: http://youtu.be/yiarr7llOKU

Unreifes Baby für Beikost: http://youtu.be/vQU__0WzI6Y  oder http://youtu.be/vHSvcjzLKmE

Literatur:

Informationsgrafik zur Ernährung des Säuglings im ersten Lebensjahr – sowie Broschüre „Richtig essen von Anfang an! Babys erstes Löffelchen“,  http://www.richtigessenvonanfangan.at/

Der Standard: Weniger Übergewicht: http://derstandard.at/1334795694733/Feste-Nahrung-oder-Brei-Weniger-Uebergewicht-bei-Babys

Studie: Townsend, E., Pitchford, N. J., Baby knows best? The impact of weaning  style on food preferences and body mass index in early childhood in a  case-controlled sample

 

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