Die Bedeutung der Berührung

Kinder entwickeln erst durch Berührung der Haut eine Vorstellung vom „ich. Ohne Berührung würden wir nicht existieren, erst durch sie lernen wir uns selbst wahrzunehmen. Berührungen lassen Halt im Leben finden, Depression, Einsamkeit, soziale Ängste – all das könne mit Berührungsarmut zusammenhängen, sagt Ekmekcioglu (Facharzt der Physiologie und Ernährungsmedizin). Berührungen sind für die Entwicklung eines Kindes lebenswichtig, so wie Nahrung (Ashley Montagu, 1971). Während Kinder einen natürlichen Zugang zu Berührung haben, wachsen mit dem Alter die Barrieren.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass angenehmer Körperkontakt, Berührungen und Massagen zu wichtigen physiologischen Veränderungen im Körper führen können. Zum einen senken sie den Spiegel des Stresshormons Cortisol und dämpfen das Stressnervensystem, den Sympathikus. Durch zehnminütige Massagen haben Versuche erstaunliche Effekte auf aggressive Kleinkinder und Jugendlichen mit ADHAS gezeigt. Auch die Sterblichkeitsrate bei Frühgeborenen ist gesunken seit die Minimum-Touch Strategie aufgegeben wurde und Frühchen auch auf der Brust der Mutter liegen dürfen.

In der Honeymoon-Phase – sie dauert wissenschaftlich belegt rund 3 Jahre – sorgt neben Testosteron und Dopamin das Kuschelhormon Oxytocin, das auch beim Stillen freigesetzt wird, für den Rausch der Verliebtheit. Später sinkt die Lust auf Berührungen und damit der Oxytocin-Spiegel. Dabei gilt gerade dieser als Schlüssel zum Glück, er sorgt für die Paarbildung und mütterliche Fürsorge.

Berührungen rufen Wohlbefinden hervor indem sie die Ausschüttung des „Kuschelhormons“ Oxytocin anregen. Die Grundfunktion des Hormons Oxytocin ist es dem Säugling in der Stillperiode beim Saugen zu helfen. Es ist wichtig für die Bindung des Kindes an die Mutter. Man weiß aber auch, dass durch angenehme Berührungen vermehrt Oxytocin produziert wird und in funktionierenden Partnerschaften hohe Hormonspiegel bei den Partnern gefunden wurden. Verschiedene Areale im Gehirn, die für Gedächtnis, Gefühle und soziales Verhalten wichtig sind, weisen Bindungsstellen für Oxytocin auf. Daraus ist die Wirkung des Hormons auf Bindung, soziales Verhalten, Vertrauen, etc. erklärbar.

Man weiß von Einzelstudien, dass Patienten mit Essstörungen in der Kindheit unter Berührungsmangel gelitten haben.

Zum Hausgebrauch empfiehlt Cem Ekmekcioglu 20 Minuten Kuscheln am Tag.

Quelle: Das Buch „Der unberührte Mensch – Warum wir mehr Körperkontakt brauchen“.

Der Standard http://derstandard.at/1319181778368/Haut-Psyche-Verbindung-Koerperkontakt-hat-keine-Nebenwirkungen, die Presse am Sonntag 12.8.2012

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Bonding, Stillen abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *