Stillförderung & Stillzwang

Wer nicht stillt, ist schlecht, lautet der Titel eines Artikels, der am 22.1.2011 in der Presse erschienen ist. Es werden die Unsummen die Mütter in Stillberatungen ausgeben, um den Foltermethoden des Stillens und dem Bild einer guten Mutter gerecht zu werden, kritisiert. Dies führt dazu dass sich immer mehr Frauen gegen die Gleichsetzung „Nur eine stillende Mutter ist eine gute Mutter“ wehren. Denn Mütter die lieber die Flasche geben oder nicht stillen werden stigmatisiert.

Viel Diskussion gab es auch um Elisabeth Badinters Buch „Der Konflikt – Die Frau und die Mutter“, in dem sie die gesellschaftliche Dominanz des Modells der guten Mutter für den Geburtenrückgang in den Industrieländern verantwortlich macht. Immer mehr Mütter verzichten ihrer Meinung nach aus Angst den Anforderungen einer guten Mutter nicht nachkommen zu können, auf Kinder. „Sobald eine Mutter mit dem Stillen anfängt, ist die Bezeichnung Knechtschaft freilich eine ausgezeichnete Beschreibung für die dann folgende Kette von Ereignissen, wie der  24 Stunden Kontakt mit dem Baby, ein „Essen auf Räder“ Service anzubieten, bzw. ein riesiger Schnuller-Ersatz zu sein. Nehmen die Milchdrüsen die Arbeit erstmals auf, dauert es lange Zeit bis die Mutter emotional und physiologisch wieder frei genug ist, sich vom Haken, an dem sie hängt, zu lösen.“

Wird die Stillförderung zunehmend zum Stillzwang? Die Aufgabe der Stillförderung ist es Mütter über die Vorteile des Stillens zu informieren und Unterstützung in der Umsetzung anzubieten. Konkret heißt dass, die  Weitergabe evidenzbasiertem Wissens. Stillen ist zwar natürlich, nicht immer selbstverständlich und Stillen ist kein Instinkt, sondern eine sozial erlernte Fähigkeit, die über Jahrtausende von Frau zu Frau weitergeben wurde. Da die Generation unserer Mütter oft nicht gestillt hat, fehlt diese Informationsquelle, die nun über stillberatende Einrichtungen weitergegeben wird. Die Entscheidung, wie eine Mutter ihr Kind nach der Geburt ernährt, muss  jede Mutter selbst treffen. Mütter, die nicht stillen wollen oder können sind deshalb nicht an den Pranger zu stellen. Andererseits hat jede Mutter das Recht über die Vorteile des Stillens aufgeklärt zu werden.

Auch wenn Frau Badinter meint, das Beste für ein Kind ist eine glückliche Mutter und nicht die Muttermilch, sollte man sich vor Augen halten, dass jährlich rund 1 Millionen Kinder sterben weil sie nicht gestillt worden sind. Natürlich passiert dies vorwiegend in den Entwicklungsländern. Jedoch gibt es immer wieder auch in den Industrieländern Todesfälle aufgrund von verunreinigtem Milchpulver.

Um aus der Stillförderung keinen Zwang werden zu lassen ist der achtsame und wertschätzende Umgang in der Stillbegleitung oberstes Gebot. Dazu gehört es auch Ratschläge genauestens zu überlegen und zu hinterfragen, denn in manchem gutgemeinten Rat steckt auch ein wenig Schlag.

Literatur:

Stillen: Die Macht der Milch « DiePresse.com,  22.1.2011: http://diepresse.com/home/bildung/erziehung/627546/index.do

Philosophin Badinter: „Instinkte sind für die Tiere“, DiePresse.com, 2.10.2010 http://diepresse.com/home/bildung/erziehung/599220/Philosophin-Badinter_Instinkte-sind-fuer-die-Tiere?from=simarchiv

Elisabeth Banditer: Der Konflikt: Die Frau und die Mutter, Verlag www.beck.de, München 2010

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