Wieso Stillen dazu beitragen kann die Seuche des 21. Jahrhunderts zu überwinden

In den Medien häufen sich Aussagen, dass Stillen vor Allergien nicht schützt, sowie  die  „Mühen“ des Stillens den Schutz des Stillens vor hartnäckigen Magen-Darm Erkrankungen, nicht rechtfertigen. Dies vor allem  in Ländern wo es sauberes Trinkwasser gibt und eine gute medizinische Versorgung gewährleistet ist. Nicht zu vernachlässigen ist jedoch, dass Stillen neben vielen Vorteilen, das Risiko  im späteren Leben des Kindes an Übergewicht zu erkranken deutlich reduziert. Übergewicht ist die Seuche des 21. Jahrhunderts.

Die Menschheit ist an einem Wendepunkt angelangt. Erstmals sind Leiden wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder Diabetes ein größeres Gesundheitsrisiko als ansteckende Seuchen.

Beeinflussbar sind diese Krankheiten  durch Lebensstil und Ernährung. Letztendlich sind sie eine Folge von Überernährung und Bewegungsmangel. Mehr als 1,5 Milliarden Erwachsene Menschen auf der Welt sind einer neuen Untersuchung zufolge übergewichtig. Hinzu kommen 500 Millionen Fettleibige sowie 170 Millionen Kinder, die entweder übergewichtig oder fettleibig sind. 11)

Wer glaubt, dass Übergewicht ein Problem der industrialisierten Länder ist, hat sich getäuscht. Entwicklungs- und Schwellenstaaten holen rasch auf. Fettleibigkeit wird zum globalen Problem. Die Internationale Gesellschaft zur Erforschung des Übergewichts (IASO) spricht von einer globalen Epidemie.

In Österreich haben derzeit 23,3 % der Männer und 20,8 % der Frauen einen BMI über 30. Sie sind demnach stark übergewichtig, oder adipös.  (Quelle: IASO).  Unter einem BMI versteht man das Verhältnis des Gewichtes durch Körpergröße in Metern zum Quadrat. Die Deutschen sind minimal dicker als die Österreicher. BMI < 18,5 Untergewicht; BMI 18,5-25 Normalgewicht; BMI 25-30 Übergewicht;  BMI > 30 Adipositas

Zum Vergleich in den USA (Männer: 35,5% und Frauen 35,8%). Jedes vierte Kind in Österreich ist übergewichtig. Übergewicht habe gigantische Folgen. (Prof. Dr. Kurt Widhalm). Etwa ein Prozent der Kinder leidet unter Diabetes. Viele hätten schon eine Fettleber, Kreislaufprobleme, Gelenksschäden oder psychische Probleme.

Gestillte Kinder erkranken weniger häufig an Übergewicht im Jugend- und Erwachsenenalter. Die Reduktion beläuft sich auf 15-30 Prozent, wenn diese gestillt worden sind, im Vergleich zu Nicht-Gestillten Kindern. (1,2)

Die Framingham Offspring Studie verzeichnete einen Zusammenhang zwischen einem geringeren BMI und einem höheren HDL (High-Density-Lipoprotein – dem guten Cholesterin) im Erwachsenenalter. (3)

Eine Geschwister-Vergleichs-Studie zeigte, dass gestillte Kinder 6,35 kg weniger wogen als ihre Nicht-Gestillten Geschwister.  Ebenso erreichten gestillte Kinder weniger häufig den BMI Grenzwert zum Übergewicht als ihre Geschwister, die mit Formular Nahrung ernährt wurden. (4)

Welchen Einfluss hat die Stilldauer?

Die Stilldauer verhält sich umgekehrt proportional zum Übergewicht. Jedes Monat länger stillen senkt das Risiko an Adipositas zu erkranken um 4%. (8)

Leider fehlt in vielen Studien die Information ob die Muttermilch durch Stillen oder durch die Flasche verabreicht worden ist. Dies ist von Bedeutung, da gestillte Kinder das Volumen der Nahrungsaufnahme selbst regulieren.  Diese Selbstregulation hat Auswirkungen auf das Gewicht im Erwachsenenalter. (5) Kinder die mit der Flasche gefüttert werden, tendieren häufig dazu die Flasche leer zu trinken und beeinflussen somit  ihr natürliches Sättigungsgefühl und ihre  Selbstregulation. Sie haben eine schlechtere Selbststeuerung der Sättigung. Sie zeigen  übermäßige Gewichtszunahme im Kleinkindalter (nach dem 6. Lebensmonat) verglichen mit Kindern die nur an der Brust trinken. Dies gilt gleichermaßen für Kinder die Formularnahrung, als auch für Kinder die abgepumpte Muttermilch in der Flasche verabreicht bekommen haben. (6,7)

Diabetes – oft die Folge von Übergewicht.

Typ 1 Diabetes: Bei Kindern die mindestens 3 Monate ausschließlich gestillt wurden und somit in den ersten 3 Lebensmonaten kein Kuhmilch-Protein verabreicht bekamen, ist das Risiko an Diabetes zu erkranken um bis zu 30% reduziert. (1, 9)

Der vermeintliche Mechanismus in der Entwicklung von Typ 1 Diabetes ist der Kontakt im Kindesalter mit dem Beta-Lactoglobulin enthalten im Kuhmilch-Eiweiß. Dieses stimuliert einen Autoimmun-Prozess der die Beta-Pankreas-Zellen negativ beeinflusst und zu ihrer Zerstörung führen kann. (10)

Typ 2 Diabetes: Eine Reduktion der Inzidenz von Typ 2 Diabetes Mellitus  wurde berichtet.

Mögliche Gründe der positiven Langzeit-Auswirkung des Stillens sind die Gewichtskontrolle,  die Selbststeuerung der Nahrungsaufnahme und somit den Erhalt der natürlichen Sättigung. (10)

 

Quelle:

1) Ip S, Chung M, Raman G, et al; Tufts-New England Medical Center Evidence-based Practice Center. Breastfeeding and maternal and infant health outcomes in developed countries. Evid Rep Technol Assess (Full Rep). 2007;153(153):1–186

 

2) Owen CG, Martin RM, Whincup PH, Smith GD, Cook DG. Effect of infant feeding on the risk of obesity across the life course: a quantitative review of published evi- dence. Pediatrics. 2005;115(5):1367–1377

 

3) Parikh NI, Hwang SJ, Ingelsson E, et al. Breastfeeding in infancy and adult cardio- vascular disease risk factors. Am J Med. 2009;122(7):656–663, e1

 

4) Metzger MW, McDade TW. Breastfeeding as obesity prevention in the United States: a sibling difference model. Am J Hum Biol. 2010;22(3):291–296

 

5) Dewey KG, Lönnerdal B. Infant self-regulation of breast milk intake. Acta Paediatr Scand. 1986;75(6):893–898

6) Li R, Fein SB, Grummer-Strawn LM. Asso- ciation of breastfeeding intensity and bottle-emptying behaviors at early infancy with infants’ risk for excess weight at late infancy. Pediatrics. 2008;122(suppl 2): S77–S84

 

7) Li R, Fein SB, Grummer-Strawn LM. Do infants fed from bottles lack self-regulation of milk intake compared with directly breastfed infants? Pediatrics. 2010;125(6). Available at: www.pediatrics.org/cgi/ content/full/125/6/e1386

 

8) Ip S, Chung M, Raman G, Trikalinos TA, Lau J. A summary of the Agency for Healthcare Research and Quality’s evidence report on breastfeeding in developed countries. Breastfeed Med. 2009;4(suppl 1):S17–S30

 

9) Rosenbauer J, Herzig P, Giani G. Early in- fant feeding and risk of type 1 diabetes mellitus—a nationwide population-based case-control study in pre-school children. Diabetes Metab Res Rev. 2008;24(3):211– 222

 

10) Das UN. Breastfeeding prevents type 2 diabetes mellitus: but, how and why? Am J Clin Nutr. 2007;85(5):1436–1437

 

11) Das hat eine Studie der Universität im australischen Melbourne ergeben, die in der Ausgabe der Zeitschrift „The Lancet“ vorgestellt wird.

 

 

 

 

 

 

 

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