Wenn Babyprodukte den ärztlichen Empfehlungen widersprechen

Viele als Baby-Produkte angebotene Lebensmittel stehen im Widerspruch zu den ernährungswissenschaftlichen oder ärztlichen Empfehlungen für Säuglinge.

Die Hersteller versprechen Eltern gesunde Produkte, tatsächlich können diese jedoch Überfütterung und Kariesbildung fördern oder Babys früh an einen hohen Zuckergehalt gewöhnen.[1] Die Industrie bedient sich zunehmend irreführender Werbeslogans, welches zu frühem Verführen von zuckerhaltigen und Kind-fernen Nahrungsmittelzusätzen führt.

Die Ernährung in den ersten Lebensmonaten ist prägend hinsichtlich vieler moderner Erkrankungen (Bluthochdruck, Typ-2 Diabetes, Adipositas). Was in frühester Kindheit an unausgewogenen Ernährungsgewohnheiten erlernt wird, setzt sich leider häufig über das Jugend- und Erwachsenenalter fort. Deshalb ist es wichtig, eine zu starke Süßgewöhnung im Säuglingsalter zu vermeiden.[2] Frühkindliche Karies in den ersten Lebensjahren ist in Deutschland auf dem Vormarsch. Schuld daran ist nicht zuletzt die häufige Gabe von süßen Getränken oder süßen Zwischenmahlzeiten, denn diese verursachen Karies schon an den ersten Zähnchen. Das hat langfristige Folgen: Kinder mit frühkindlicher Kariesentwickeln auch im Erwachsenengebiss deutlich häufiger Karies. [3]

Rechtlicher Rahmen für Säuglingsnahrung

Produkte, die als Säuglingsnahrung vermarktet werden, müssen spezielle Anforderungen erfüllen, die EU-weit einheitlich sind. Es gibt beispielsweise gesonderte Regeln für Rückstände von Pestiziden, Vitamingehalte sowie die allgemeine Nährstoffzusammensetzung.[4] Diese EU-weiten Bestimmungen werden von den jeweiligen Ländern in nationales Recht umgesetzt. (z.B. Deutschland – Diätverordnung).

Nur, wenn diese Anforderungen erfüllt sind, darf mit Empfehlungen wie „ab dem 8. Monat“ geworben werden. Bezüglich der Zusammensetzung der einzelnen Zutaten erlauben die Verordnungen der Länder jedoch zahlreiche Rezepturen und Vermarktungspraktiken, die keinesfalls mit den einschlägigen Ernährungsempfehlungen der Fachgesellschaften übereinstimmen.

Trinkmahlzeiten:

Bei der Vermarktung von Trinkmahlzeiten, darunter versteht man Trinkbreie oder Beikostprodukte zur Flaschenfütterung, kritisieren Experten diese kohlenhydratreiche Flaschenfütterung wegen des Risikos der Überfütterung und der Kariesbildung. Diese  kann im Fall der Verwendung von Nuckelflaschen vor allem bei der Verwendung zum Einschlafen zum Entstehen einer Frontzahnkaries führen.

Babybrei und Kekse für Säuglinge (unter 1 Jahr)

Fertigprodukte sollten möglichst wenig Zucker oder andere Süßungsmittel enthalten. Salz und Aromen sind überflüssig. Babykeksen ab dem 8. Monat mit 25% Zucker sowie Babybrei mit synthetischem Vanilin-Aroma sowie Instant-Tees auf Basis von Zuckergranulat sind für Kinder ungeeignet

[1] Pressekonferenz Verbraucherorganisation foodwatch am 25.9.2014 in Berlin, foodwatch e.V. Presse und Öffentlichkeitsarbeit

[2] Prof. Dr. Wieland Kiess, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Leipzig;

[3] Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer; Zahnmedizinisches Konzept „Frühkindliche Karies vermeiden“: www.bzaek.de/ECC-Konzept

[4] Vgl. Anhänge unter http://eur‐lex.europa.eu/legal‐content/de/TXT/PDF/?uri=CELEX:32006L0125&rid=3

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