Trinkmenge eines Säuglings

Der Hunger des Kindes bestimmt die Menge: Säuglinge sind nach den Anzeichen von Hunger und Sättigung zu füttern. (WHO DACH 2008). Die Angaben der Hersteller zur empfohlenen Zubereitungsmenge sind oft irreführend. Säuglinge haben ein natürliches Sättigungsverhalten, das durch das Animieren, die Flasche auszutrinken, nachteilig beeinflusst werden kann, sodass Übergewicht begünstigt werden kann.

Bei einigen Säuglingen sind die Sättigungszeichen nur schwer zu erkennen, sodass beim Füttern der Flasche erhöhte Aufmerksamkeit nötig ist. Besonders wichtig sind Pausen beim Füttern, da das Sättigungsgefühl erst allmählich kommt und die Säuglinge mit der Flasche leicht überfüttert werden können.

Eine Langzeitstudie stellte fest, dass es zwischen einem und drei Monaten zu einem Rückgang bei der Häufigkeit der Stillmahlzeiten (von 7.6 auf 6.6 pro Tag) und zu einer Zunahme der durchschnittlichen Menge Milch von 106 bis 126 ml kam. Dies blieb zwischen drei und sechs Monaten konstant. Die tägliche Gesamtaufnahme blieb über die sechs Monate im Durchschnitt konstant auf 808 ml.[1]

Die Anzahl der Flaschenmahlzeiten wird bei den Herstellern ab der 5. Lebenswoche mit 5-(6) Mahlzeiten als Richtwert angegeben, dafür mit einer Menge von 135-170 ml pro Mahlzeit. Im 3. Lebensmonat empfehlen die Hersteller 5 Mahlzeiten/pro Tag, die Menge pro Flaschenmahlzeit steigt bis auf 200 ml, bzw. nach dem 4. Lebensmonat 4-5 Mahlzeiten mit einer Menge von 230 ml. Gestillte Kinder hingegen werden mit 5 Monaten deutlich häufiger ca. 6-12 x pro Tag gestillt. Auch Säuglinge, die mit Formula ernährt werden, profitieren von häufigeren und jeweils kleineren Fütterungsmengen, als von den Herstellern angegeben.

Die Angaben der Hersteller für die Flaschenmahlzeiten führen oft zur Irritierung stillender Mütter. Stillende sollten daher immer wieder bestärkt werden, dass häufigere Stillmahlzeiten normal sind!

Hier eine Übersicht zur  Bandbreite des normalen Stillverhaltens. bzw. zum Download des Flyers.

[1] Kent JC, Hepworth AR, Sherriff JL, Cox DB, Mitoulas LR, Hartmann PE. Longitudinal changes in breastfeeding patterns from 1 to 6 months of lactation. Breastfeed Med. 2013;8:401-407.

Kent JC, Mitoulas LR, Cregan MD, Ramsay DT, Doherty DA, Hartmann PE. Volume and frequency of breastfeedings and fat content of breast milk throughout the day. Pediatrics. 2006;117(3):e387-395.

 

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Eine Antwort auf Trinkmenge eines Säuglings

  1. Danke für diesen Artikel.
    Hinzugefügt werden sollte allerdings noch, dass sich die Angaben der Säuglingsnahrungshersteller über die täglichen Trinkmengen bzw. die Portionsgrößen der einzelnen Trinkmahlzeiten auf das Alter der Babys beziehen.
    Entscheidend für die erforderliche Trinkmenge eines Babys für ein normales Wachstum und Gewichtszunahme ist jedoch das tatsächliche Gewicht des Babys und das kann bei Babys im gleichen Alter sehr unterschiedlich sein.
    Ein gesundes 6 Wochen altes Kind kann sowohl z. B. 3600g oder auch 4800g wiegen, je nachdem mit welchem Gewicht es geboren wurde und wie schnell es seither zugenommen hat.
    Als Faustregel gilt: Die Tagestrinkmenge beträgt etwa 1/6 seines Körpergewichts. Die ungefähre, durchschnittliche Portionsgröße ergibt sich dann aus dieser Zahl geteilt durch die Anzahl der täglichen Mahlzeiten.
    Also zum Beispiel: 3600g/6=600ml pro Tag und 600ml/10 Mahlzeiten=60ml pro Mahlzeit
    oder 4800g/6=800ml pro Tag und somit 800ml/8 Mahlzeiten=100ml pro Mahlzeit.
    Das wird meiner Meinung nach viel zu wenig deutlich gemacht.

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