Spezialnahrungen – Therapeutische Säuglingsnahrung

Blähungen, Spucken, Nicht-Durchschlafen des Kindes erschweren den Alltag mit dem Neugeborenen, sind jedoch normal. Schenkt man der Industrie glauben, gibt es für fast jedes dieser Leiden eine Heilnahrung. Ökotest hat die Nahrungen unter die Lupe genommen.

Säuglingsnahrungen mit Soja-Eiweiß sowie andere sogenannte Spezialnahrungen (z.B. gegen Blähungen, Spucken, etc.) sollten nur bei besonderen medizinischen Problemen und auf ausdrücklichen Rat eines Arztes verwendet werden. Spucken und Blähungen sind zum Teil normal und gehören leider zum Babyalltag. Allerdings sind diese Spezialnahrungen frei verkäuflich in den Regalen der Drogeriemärkte und werden auch von „übervorsichtigen“ Eltern gekauft. Für viele Spezialnahrungen liegen entweder keine belastbaren klinischen Daten vor oder der Nutzen ist alles andere als belegt. Hinzu kommen noch Fettschadstoffe, in einigen Produkten stecken gentechnisch veränderte Substanzen.[1]

Die Verabreichung von 1er Nahrungen um das nächtliche Durchschlafen zu fördern hat sich wissenschaftlich nicht erwiesen. 1er Nahrung verweilt im Vergleich zu Pre-Nahrung länger in der Darmpassage,  worauf man schließt dass Kinder länger gesättigt sind. 1er Nahrung enthält zusätzlich Stärke, die nicht in der Muttermilch vorhanden ist.

Spucken ist soweit normal und gehört zum Babyalltag dazu. Während es die Kinder meist weniger stört, ist es für Eltern oft belastend wenn Kinder häufig spucken. Lediglich unter ärztlicher Aufsicht bei Säuglingen mit schwerer Refluxkrankheit oder bei drohender Unterernährung können Spezialnahrungen eingesetzt werden. Zudem ist die Wirkung angedickter („AR-„) Nahrungen von fragwürdiger klinischer Bedeutung. (AR = Antireflux-Nahrungen). Die beiden Heilnahrungen bei Durchfall Humana Plus HN und Milupa Milumil enthalten nur wenig oder keine Laktose. Das Humana-Erzeugnis ist zudem mit Ballaststoffen (Prebiotika und Bananenpulver) angereichert. Beide sollen den Stuhl rasch normalisieren. Nur: Bei Durchfall geht es primär darum, den Flüssigkeitsverlust auszugleichen, zum Beispiel mit Glucose-Elektrolyt-Lösungen, um dann mit der normalen Kost fortzufahren.[1]

Gegen Verstopfung und Blähungen beziehungsweise gegen laktosebedingte Dreimonatskoliken, Blähungen und Durchfallerkrankungen werden die Spezialnahrungen Milupa Aptamil Comfort und Nestlé Beba Sensitive angeboten. Beide enthalten partiell gespaltene Eiweiße aus Kuhmilch und weisen einen verringerten Laktosegehalt auf. Jedoch ist bislang der Nutzen für das seltenere Auftreten von Blähungen durch eine verringerte Zufuhr von Milchzucker nicht belegt. Sie entsprechen nicht den Ernährungsbedürfnissen von Säuglingen.

Nahrungen auf Basis von Sojaprotein bei Kuhmilchunverträglichkeit hält die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) zwar für geeignet, allerdings nach Rücksprache mit dem Arzt. Kinder mit Kuhmilch-Eiweiß Allergie reagieren oft auch auf Soja. Zudem rät die DGKJ, Sojanahrungen nicht in den ersten sechs Lebensmonaten zur Therapie von Nahrungsmittelallergien einzusetzen.

[1] Ökotest: ÖKO-TEST Jahrbuch Kleinkinder für 2012; 9.1.2012; J1201: Babynahrung – Therapeutische Säuglingsnahrung: http://www.oekotest.de/cgi/index.cgi?artnr=99228&bernr=07&gartnr=9&suche=spezialnahrung

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